Aktuelles

Auf Anmeldung bieten wir sonntags um 15 Uhr eine Führung für maximal 10 Personen an. Für Gruppen können auch andere Termine angefragt werden.

Konzert nach der Führung
mit dem Duo Jussow

am Sonntag, 9. August um 16.30 Uhr

Nur auf Anmeldung!

Zum Bildgedanken

"Aufbruch zum Staunen"

Ausstellung zu den Themen Passion und Ostern

im Exerzitienhaus St. Paulus in Leitershofen bei Augsburg. In der sehenswerten Architektur von Thomas Wechs (1961) sind Originale wie hochwertige Reproduktionen von Hinterglasbildern von Erich Schickling zu sehen.

Die am 1. März eröffnete Ausstellung sollte bis 3. Mai 2020 im Exerzitienhaus Leitershofen zu sehen sein. Leider musste auch dort das Haus mitsamt seinen Veranstaltungen geschlossen werden.

Darum soll an dieser Stelle ein Rundgang durch die Bilder anhand der Fotos ermöglicht werden. Die Bilder sind hier zu sehen: https://www.facebook.com/schicklingstiftung/photos/

Der textliche Leitfaden zu den Themen und Darstellungen wurde für die Ausstellung hergestellt, bezieht sich zu Beginn also auf die Räumlichkeit des Exerzitienhauses:

Die Ausstellung begleitet den Gang um den lichten Innenhof an allen vier Seiten. Die Architektur erinnert in ihrer großzügigen Anlage an einen Kreuzgang, der prägnante Turm der Kapelle im Nordosten bietet immer Orientierung. Die Transparenz der Architektur kommt besonders am Abend zur Geltung, wenn die umlaufenden Gänge sowie die Bilder untereinander sichtbar sind. So sind für die Betrachtung der Bilder Raum und vor allem Stille gegeben. Es sind - wie Eugen Biser sie benannte - „Meditationsbilder“, aber es sind auch Bilder zum Erforschen und zum Erfahren.

Beginnen wir den Rundgang im Foyer (südliche Wand) von links nach rechts:

1_König David

Als ob das Goldene aus dem Roten, aus der Kraft Gottes, aus der Kraft der Liebe und des Leides geboren würde, so zieht seine Harfe den David förmlich empor, bis er ganz eins ist mit der Sonne. David weiß sich von der Melodie des Lebens, von Freude und Schmerz gleichermaßen geführt und getragen. Obwohl er in Schuld gefallen ist, vertraut er auf sein Geführt-Sein. So muss er singen und preisen und tanzen!

Unsere Träume wissen mehr von unserem Königtum, von der Melodie des Auferstandenen, der in der Gestalt des David verborgen gemeint ist. Er ist schon der Achte, der Zukünftige, der uns hinüberführen wird nach Zion. Dort wird der Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein. Denn dort werden wir erkennen, gleich wie wir erkannt sein werden. (Korinther 13)

2_ECCE HOMO – Seht welch ein Mensch !

SEIN Königtum erkennen wir nicht. Denn ER verbirgt sein Gesicht unter der Dornenkrone. Er kommt in Sein Eigentum und die Seinen erkennen Ihn nicht. Nur Leidtragende erahnen etwas von der Tragweite Seines königlichen Wesens, das sich in der Schwachheit hingibt. Seine berührende Würde wird im Purpurmantel sichtbar. Weder Petrus, auf den die Magd herausfordernd mit dem Finger zeigt – „Bist du auch so ein Galiläer?“ – noch Pilatus – „Bist du etwa ein König?“ – noch wir, sind diesem gewaltigen Geschehen gewachsen. Etwas vom Urgrund unseres Mensch-Seins wird für einen Augenblick sichtbar. Dieses Bild geht zurück auf eines der frühesten Werke von Erich Schickling, gemalt unter dem Eindruck der Karfreitagsliturgie.

Und dann - mitten in Angst, Not und Dunkel: der Aufbruch zum Staunen!

3_Der wunderbare Fischzug

Petrus mit dem Gesicht zum Goldenen gewandt! Fassungslos, dass die Netze ihm wider Erwarten so voll geworden sind. Er ruft die Freunde herbei: zieht mit mir das Wunder aus der Zeit! Teilt mit mir die Freude! Kurz zuvor war er dem Verzweifeln nahe, als sich kein Fisch im Netz gezeigt hatte. Aber nun auf Jesu Geheiß, in Seinem Namen die Netze nochmals ausgeworfen, geschieht das Wunder, die Fülle, das Geschenk. Wenn unser Tun fruchtbar wird, dann durch Christus!

4_Der Sonnengesang des Franziskus (originales Hinterglasbild)

Wenn Franziskus die Sonne besingt, so meint er darin mehr als die sichtbare Sonne; ihn zieht ein gewaltigeres Licht, das allein aus dem Munde des Schöpfers am Tag der Lichtwerdung hervorgeht. Weil Franziskus die Schöpfung unmittelbar durch den Schöpfer erlebt hat, hat er ein tiefes Eins-Sein mit allem Wachstum, mit aller Kreatur und vor allem mit seinen Mitmenschen (hier sichtbar in der Fußwaschung) erfahren und zum Ausdruck gebracht.

In Schicklings Franziskusbildern sind die begrenzenden Linien der Figur durchbrochen und in ein großes Gefüge mit dem Wachstum des Baumes gesetzt. Franziskus wird selbst zum Baum, zum Teil des Vegetativen. Er hat vorgelebt, dass unser inneres Wachsen mit dem Wachstum des Baumes zu vergleichen ist. Wie dieser mit den Zweigen und Blättern ausgreift in den Raum, so verlangen unsere Hände nach Begegnung, nach dem Ergreifen des noch Unbekannten. Ein Franziskus verlangt nach Überschreitung der Grenzen, die der Körper uns setzt. So bezieht er in seinen Sonnengesang selbst den Bruder Tod mit ein.

5_Paulus, die Ostersonne erblickend

Dieses Bild ist im Zusammenhang mit dem Sturz des Saulus vor Damaskus zu sehen (im Ostgang). Blind vom eigenen Wahn ist sein Leben zum Stillstand gekommen im inneren Gefangen-Sein, der Enge seines Herzens. Da plötzlich geht ihm ein Licht auf: im Fenster zeigt sich ihm das österliche Licht des Auferstandenen. Es kommt, wenn es kommt: ungerufen, unverdient, als reines Geschenk. Die Kraft des Adlers umfängt seine Schultern. Seine Augen beginnen neu zu sehen, Paulus wird zum Zeugen der Auferstehung Christi: „Ich glaube, darum rede ich“. (2.Kor. 4,13)

6_Kreuzigung

In der Todesstunde spricht Christus zur Mutter: „Schau, dies ist dein Sohn!“ Zum Jünger Johannes gewendet: „Schau, dies ist deine Mutter!“. Sie sind eine Schicksalsgemeinschaft des Leids. Miteinander harren sie aus, bis sich aus dem Dunkel die unbegreiflich grosse Wende vollzieht.

7_"Oh Haupt voll Blut und Wunden"

Bleiben wir hier im schweigenden Betrachten. 8_Vision des Franziskus

In der tiefsten Nacht, in der die Grenzen unseres wachen Verstandes überschritten werden, hat Franziskus in seiner Vision den Baum des Lebens wie ein brennendes Feuer erfahren. Der Gekreuzigte hat sich ihm in der Nacht Seines Todeskampfes selbst gezeigt, hat sich ihm in den Wundmalen selbst eingeprägt. Was sich in seine Seele geprägt hat, muß ein tiefes Geheimnis gewesen sein, das wir kaum erahnen können.

Der Blick auf den Hl. Franziskus war bei Erich Schickling wesentlich durch den italienischen Religionsphilosophen und Priester Romano Guardini grundgelegt, dessen Vorlesungen und Predigten er während seiner Studienjahre in München erlebt hat. Sowohl in Hinterglasbildern als auch in Glasfenstern, in Wandmalerei, in Mosaik und Keramik hat ihn der Künstler dargestellt.

8_Vision des Franziskus

In der tiefsten Nacht, in der die Grenzen unseres wachen Verstandes überschritten werden, hat Franziskus in seiner Vision den Baum des Lebens wie ein brennendes Feuer erfahren. Der Gekreuzigte hat sich ihm in der Nacht Seines Todeskampfes selbst gezeigt, hat sich ihm in den Wundmalen selbst eingeprägt. Was sich in seine Seele geprägt hat, muß ein tiefes Geheimnis gewesen sein, das wir kaum erahnen können.

Der Blick auf den Hl. Franziskus war bei Erich Schickling wesentlich durch den italienischen Religionsphilosophen und Priester Romano Guardini grundgelegt, dessen Vorlesungen und Predigten er während seiner Studienjahre in München erlebt hat. Sowohl in Hinterglasbildern als auch in Glasfenstern, in Wandmalerei, in Mosaik und Keramik hat ihn der Künstler dargestellt.

Die Fortsetzung kann gerne angefragt werden und in der Passionswoche folgen.