Die Erich-Schickling-Stiftung im Günztal nahe Ottobeuren hat ihre Mitte in den Bildern und Glasfenstern des Künstlers Erich Schickling. Sie laden den Besucher, ob er zufällig als Günztalwanderer hierher gelangt oder als Kunstpilger den abgelegenen Ort aufsucht, zum Verweilen, zum Innehalten, zum Sinnen ein.

„Wer immer Erich Schickling begegnet, wird auf einen Menschen treffen, der in ungewöhnlicher Weise erfüllt ist vom Mysterium des Glaubens, dem Wunder der Schöpfung, dessen Herz davon voll ist und dessen Mund davon überfließt. Diese strahlende Gläubigkeit, in der eine gotteskindliche Freude schwingt, ist die Wurzel seines gesamten Schaffens."                     (Dr. Thea Lethmair, Augsburg 1984)

Erich Schickling kam 1947 nach der Vertreibung aus seiner schlesischen Heimat schicksalshaft nach Ottobeuren. Aus dem damals unbewirtschafteten Grundstück an der Günz, das seinem Vater überlassen worden war, hat er über 50 Jahre hinweg eine Anlage geschaffen, die nicht nur durch ihre architektonische Gestaltung, sondern auch in ihrem Einklang mit einer von ihm weitläufig angelegten Parklandschaft einzigartig ist.

Die Glasfenster, Altarbilder, Wandmalereien in kirchlichen und öffentlichen Räumen schaffen zu können, führt Erich Schickling wesentlich auf seinen geistigen Ursprung bei Romano Guardini zurück, dessen Vorlesungen und Predigten er während seines Studiums in München tief in sich aufnahm.

tl_files/bilder/startseite/01-Januar,kl.jpg

Guardini führte ihn nicht nur an die Fundamente des Neuen Testamentes im Alten Testament, sondern auch zu den großen Dichtungen eines Homer, Dante, Rilke und vor allem Hölderlin, der im Wesen Schicklings tief verankert ist. Seine Beziehung zum Wort, zum lebendigen Wort Gottes wie zum prophetischen Dichterwort zeigt sich ihm als „arche“ (griech.) in der Architektur. Sie ist bestimmend in seinen Kirchengestaltungen, sie ist der Impuls zur Architektur dessen, was er sichtbar in Raum und Bild im Günztal geschaffen hat und was heute Stiftung sein darf.

Schickling: „Es geht mir darum, in meinen Bildern den LOGOS wieder mit dem MYTHOS zu vereinen.“

Unter Einsatz all seiner Kräfte, der künstlerischen ebenso wie der körperlich-handwerklichen und der materiellen Kräfte konnte entstehen, was nicht erst heute als Stiftung den Menschen offen steht. Denn seit Anbeginn seines Wohnens und Wirkens im Günztal hat Erich Schickling zusammen mit seiner Frau Inge das Haus geöffnet zur Begegnung, zur Einkehr, zum Gespräch. Persönlichkeiten wie die Theologen Eugen Biser, Johannes Lodz, Otto Betz oder die Dichter Arthur M. Miller, Alois Sailer sowie Musiker wie Bernhard Tluck, Julius Berger, Peter Lika und viele Künstlerkollegen haben das Haus durch Vorträge, Ausstellungen, Konzerte erfüllt und den Besuchern zum Geschenk gemacht.

In den Räumen der Stiftung sind die Hinterglasbilder mit biblischen Themen verbunden mit den Gestalten aus der antiken Mythologie, den homerischen Gesängen. Sie atmen einen Geist, denn sie sind Traumbilder, vergleichbar den Archetypen eines C.G.Jung. Auf einem großformatigen Tafelbild im neuen Ausstellungsraum trägt Orpheus im Arm den Fisch, ein altes Symbol für Christus. Sein stummes rundes Auge ist für eine andere Welt, für eine umfassendere Welt geöffnet, die unsere Innerung meint. Der Fisch ist wie das Klagelied, das aus der Leier des Orpheus, aus seinem Gesang aufsteigt. Er kennt nur die schwere Klage um die verlorene Geliebte, seine Eurydice. Gemeinsam stehen sie im Schiff, dem Bild unseres Unterwegs-Seins in der Zeit. Doch die Richtung ihrer Blicke stimmt nicht überein Sie schaut uns entgegen, hält ihren Arm über die Augen, als ob ein starkes Licht sie blende. Er aber schaut im Umwenden nach oben zu einem anderen Tröster, dem er angehört. Mitten im Leid, in der Verzweiflung hört er die Stimme seines Vaters im Himmel, der unseren Augen verborgen ist.

Sonne

So laden die Räume der Erich-Schickling-Stiftung jeden Besucher ein zum Schauen, zum Hören des erhellenden Wortes oder zum Schweigen. Das uns vom Theologen Karl Rahner prophetisch hinterlassene Wort „Der Christ von morgen wird ein Mystiker sein“ kann bei Erich Schickling, ob im Bild oder in seinem Sprechen vor den Bildern erfahren werden. Ein Mystiker früherer Zeit, Angelus Silesius, ein schlesischer Landsmann Erich Schicklings hat dies so ausgedrückt:

„Wer in dem andern nichts als Gott und Christus sieht, der siehet mit dem Licht, das aus der Gottheit blüht.“

Aktuelles
Am 18. September ging das 12. EGGISRIEDER SEMINAR für „Musik und Transzendenz“ in den Ausstellungs- und Konzerträumen der Stiftung zu Ende. Rund 40 Teilnehmer (Mitwirkende und Zuhörer) widmeten sich dem diesjährigen Thema “Wurzeln. Volksmusikalische Traditionen in der europäischen Musik”. Einen besonderen Höhepunkt bildete das Meisterkonzert mit dem Violoncellisten Benedict Klöckner und dem Pianisten Andrej Jussow.
Dazu der Bericht von Markus Noichl in der MZ “Allgäu-Kultur” vom 22.Sept. 2011
Rückblick
In der Evang. Dreifaltigkeitskirche Bobingen (Architekt Wichtendahl), in der Erich Schickling ein Betonglasfenster mit dem Gotteslamm gestaltet hat, wurden von März bis Juli vier Bilder zu österlichen Themen gezeigt, darunter das großformatige Werk „Ostermorgen“.
Über Uns
Die Erich-Schickling-Stiftung im Günztal nahe Ottobeuren hat ihre Mitte in den Bildern und Glasfenstern des Künstlers Erich Schickling. Sie laden den Besucher, ob er zufällig als Günztalwanderer hierher gelangt ...